Zusammenführung

Katzen zusammenführen: So klappt es Schritt für Schritt

Kurz gesagt

Katzen zusammenführen braucht Zeit: Plane einige Tage bis mehrere Monate ein. Gib der neuen Katze zuerst ein eigenes Zimmer, tausche Gerüche, bevor sich die Katzen sehen, und geh erst weiter, wenn alle entspannt sind. Kurzes Fauchen ist normal. Jagen, Kämpfen oder Unsauberkeit heißen: einen Schritt zurück.

Zwei Britisch-Kurzhaar-Katzen liegen entspannt nebeneinander

Eine zweite Katze kann ein riesiges Glück sein, für dich und für deine Katze. Aber Katzen sind keine Rudeltiere wie Hunde. Ein fremdes Tier im eigenen Revier bedeutet erst mal Stress. Die gute Nachricht: Mit Geduld und dem richtigen Ablauf klappt es in den meisten Fällen. Der wichtigste Satz vorab: Das Tempo bestimmt die unsicherste Katze, nicht du.

Vorbereitung: Bevor die neue Katze einzieht

Passt die neue Katze?

Ähnliches Temperament und Spielverhalten erleichtern vieles. Eine sehr verspielte junge Katze kann eine ruhige ältere Katze schnell überfordern. Lass dich von Tierheim oder Vorbesitzern beraten und frag nach Erfahrungen mit anderen Katzen.

Gesundheit zuerst

Alle Katzen sollten vorher tierärztlich durchgecheckt sein. Die neue Katze sollte auf ansteckende Krankheiten untersucht werden, sprich das am besten mit deiner Tierarztpraxis ab. Ist deine Katze krank oder sehr alt, überleg gut, ob eine Zusammenführung gerade fair ist.

Alles einmal pro Katze plus eins

Klo, Futterplatz, Wasser, Schlafplatz und Kratzmöglichkeit: von allem eins pro Katze plus eins extra, verteilt in der Wohnung und nicht nebeneinander. So muss keine Katze an der anderen vorbei, um an etwas Wichtiges zu kommen. Erhöhte Plätze und Verstecke geben zusätzlich Sicherheit.

Ein Zimmer für den Neuzugang

Richte ein ruhiges Zimmer ein, das sich schließen lässt, mit eigenem Klo, Futter, Wasser, Versteck, Kratzbaum und Spielzeug. Das ist für die ersten Tage das Zuhause der neuen Katze. Manche Halter nutzen 24 bis 48 Stunden vorher einen Pheromon-Stecker. Das kann manchen Katzen helfen, ist aber kein Muss.

Die 6 Phasen der Zusammenführung

Die Zeiten sind grobe Richtwerte. Manche Katzen sind nach wenigen Tagen Freunde, andere brauchen Monate. Geh erst zur nächsten Phase, wenn alle Katzen in der aktuellen entspannt sind.

Phase Ziel Weiter, wenn …
1. Ankommen Neue Katze fühlt sich im eigenen Zimmer sicher sie frisst, spielt und erkundet, statt sich zu verstecken
2. Geruchstausch Katzen lernen sich über die Nase kennen niemand faucht oder meidet den fremden Geruch
3. Raumtausch Jede Katze erkundet das Revier der anderen beide entspannt im fremden Bereich
4. Sehen ohne Kontakt Erster Blickkontakt mit Sicherheit ruhiges Fressen und Spielen hinter dem Gitter
5. Treffen unter Aufsicht Kurze, positive Begegnungen mehrere Treffen ohne Jagen oder Kampf
6. Zusammenleben Gemeinsamer Alltag alle fressen, schlafen und nutzen ihr Klo normal

Phase 1: Ankommen im eigenen Zimmer

Bring die neue Katze in der Transportbox direkt in ihr Zimmer und öffne die Box. Lass sie selbst entscheiden, wann sie rauskommt. Besuch sie regelmäßig, spiel mit ihr und lass sie in Ruhe ankommen. Deine bisherige Katze bekommt in dieser Zeit extra viel Aufmerksamkeit.

Phase 2: Gerüche tauschen

Tausch täglich Decken oder Spielzeug zwischen den Katzen. Reib außerdem ein weiches Tuch sanft an Wangen und Kinn der einen Katze und leg es bei der anderen ab, am besten in die Nähe von etwas Schönem wie dem Futterplatz. So wird der fremde Geruch zu etwas Vertrautem.

Phase 3: Räume tauschen

Lass die neue Katze die Wohnung erkunden, während deine bisherige Katze für eine Weile in einem anderen Zimmer ist, gern mit Leckerlis. Danach darf deine Katze ins Zimmer der neuen. Beide verteilen dabei ihren Geruch und lernen das Revier der anderen kennen.

Phase 4: Sehen ohne Berührung

Jetzt der erste Blickkontakt, aber mit Sicherheitsabstand: durch ein Kinder- oder Katzengitter, eine Glastür oder einen Türspalt mit Stopper. Füttere beide Katzen in Sichtweite, anfangs mit großem Abstand, und rück die Näpfe von Tag zu Tag näher. Kurze gemeinsame Spielrunden von etwa 5 bis 20 Minuten mit der Spielangel funktionieren gut. Beende jede Runde, solange es noch entspannt ist.

Phase 5: Erste Treffen unter Aufsicht

Öffne die Tür, wenn beide hinter dem Gitter ruhig bleiben. Starte mit kurzen Treffen in einem großen Raum mit Rückzugswegen und erhöhten Plätzen. Lenk mit Spiel und Leckerlis ab und beende das Treffen positiv. Halte ein Kissen oder ein Stück Pappe bereit, um bei Spannung den Blickkontakt zu unterbrechen, ohne dazwischenzugreifen.

Phase 6: Zusammenleben

Die Treffen werden länger, bis die Katzen ganz zusammenleben. Trenn sie anfangs noch, wenn du nicht da bist oder nachts schläfst. Achte weiter darauf, dass jede Katze ihre eigenen Ressourcen hat.

Gut, normal oder Stopp? Körpersprache lesen

  • Gute Zeichen: entspanntes Fressen in der Nähe der anderen, langsames Blinzeln, Nasenkontakt, Schwanz locker nach oben, gemeinsames Dösen im selben Raum.
  • Normal am Anfang: kurzes Fauchen oder Knurren, Anstarren aus der Distanz, sich abwenden. Das ist Kommunikation, kein Scheitern.
  • Stopp, einen Schritt zurück: Jagen, ernsthafte Kämpfe, Fellbüschel, eine Katze versteckt sich dauerhaft oder frisst nicht, Pinkeln außerhalb des Klos, eine Katze blockiert den Weg zum Klo oder Napf.
Wichtig: Pinkelt eine deiner Katzen während der Zusammenführung daneben, ist das oft ein Stresssignal. Lies dazu unseren Artikel Katze pinkelt daneben.

Wenn es nicht klappt

  1. Treffen sofort ruhig beenden und die Katzen trennen. Nicht schimpfen, nicht dazwischenfassen und keine Katze in der Anspannung hochnehmen.
  2. Für ein paar Tage zur vorherigen Phase zurückgehen, in der alles noch entspannt war.
  3. Die Schritte kleiner machen: kürzere Treffen, mehr Abstand, mehr Leckerlis und Spiel.
  4. Prüfen, ob Ressourcen fehlen oder zu eng beieinander stehen.
  5. Bleibt es nach mehreren Wochen angespannt, hol dir Unterstützung. Eine Zusammenführung zu begleiten ist genau das, wobei wir in der Verhaltensberatung helfen.

Die häufigsten Fehler

  • Zu schnell: Einfach zusammensetzen nach dem Motto „Die regeln das schon“ führt oft zu dauerhaftem Stress.
  • Ein gemeinsames Klo: Klo-Konflikte sind einer der häufigsten Gründe für Unsauberkeit.
  • Zwingen: Katzen in die Arme nehmen und einander zeigen erzeugt Angst.
  • Die erste Katze vernachlässigen: Deine bisherige Katze braucht jetzt besonders viel Zuwendung.
Quellen und Weiterlesen
  • Feline Veterinary Medical Association (AAFP): Step by Step Guide: How to Introduce a New Cat to Other Cats in Your Home
  • AAFP: Intercat Tension Guidelines (2024)
  • AAFP/ISFM: Feline Environmental Needs Guidelines

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, Katzen zusammenzuführen?
Das ist sehr unterschiedlich: von einigen Tagen bis zu mehreren Monaten. Das Tempo bestimmt immer die unsicherste Katze.
Ist Fauchen bei der Zusammenführung normal?
Ja, kurzes Fauchen oder Knurren ist am Anfang normale Kommunikation. Jagen, ernsthafte Kämpfe oder eine Katze, die sich dauerhaft versteckt, sind dagegen ein Zeichen, einen Schritt zurückzugehen.
Kann man Katzen ohne Trennung zusammenführen?
Manchmal geht es gut, oft aber nicht. Eine schrittweise Zusammenführung mit eigenem Zimmer und Geruchstausch senkt das Risiko für dauerhaften Streit deutlich und wird von Fachleuten empfohlen.
Wie viele Katzenklos brauche ich bei zwei Katzen?
Drei: ein Klo pro Katze plus eins extra, an verschiedenen Orten. Das Gleiche gilt für Futter- und Wasserstellen.
Was tun, wenn die Katzen kämpfen?
Ruhig trennen, ohne dazwischenzugreifen, zum Beispiel mit einem Kissen oder einer Pappe zwischen den Katzen. Danach für ein paar Tage zur vorherigen Phase zurückgehen und kleinere Schritte machen.
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